Ich habe es gegooglet und mir wurde lediglich "Naturschmuck" vorgeschlagen, dennoch bin ich mir sicher: Es gibt einen Naturschock. Ich habe ihn. Gestern waren etwa 150 von uns Austauschstudenten (inklusive fast meiner gesamten WG) beim "Rettir" und auf der "Golden Circle Tour". Wir standen vorm Geysir, haben uns vom "Gulfoss", dem "Goldenen Wasserfall" nass spritzen lassen und waren in Þingvellir, dem historischen Ort an dem 930 das Alþing, also das isländische Parlament gegründet wurde. "Rettir" bezeichnet das Zusammentreiben und Sortieren der Schafe zu Beginn des Winters (den man auch Beginn der Schlachtzeit nennen könnte), die das ganze Jahr hindurch frei auf der Insel herum laufen dürfen.
Von neun Uhr morgens an stehen wir drei Stunden auf einer Wiese mitten im Nirgendwo und schauen uns an, wie Isländer jeden Alters in einem Rondell zwischen unzählbar vielen Schafen herumlaufen und mithilfe der Plaketten am Ohr ihre Schafe wiedererkennen. Die identifizierten Schafe werden anschließend durch Tore auf angrenzende Miniweiden verteilt und von dort abtransportiert.
| Unzählbar viele Schafen werden von einer angrenzenden Weide in das Rondell getrieben |
| Die Marke wird gecheckt.... |
| ... und dann das Schaf bei den Hörnern gepackt. |
Anschließend ist der Geysir dran und, was soll ich sagen, da kommt halt Wasser aus der Erde. Ich kann die Begeisterung der Touristen für dieses sprudelnde Wasserloch in der Erde nicht so richtig teilen. Ich bin totmüde vom frühen Aufstehen, der vielen frischen Luft und den Gefühlen, die Rettir in mir ausgelöst hat. In dem Moment finde ich alles schon nur so mittel, versuche aber gegen den aufkommenden Unmut anzukämpfen und schieße doch ein paar Fotos.
| Das Wasser dieses Geysirs schießt etwa 30 m hoch. |
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Zurück im Bus schlafe ich sofort völlig erschöpft ein und finde es alles andere als cool, als wir plötzlich schon wieder irgendwo halten und ich mir noch mehr überwältigend schönschreckliche Natur anschauen soll. Darauf habe ich keine Lust, ich würde lieber in ein Flugzeug nach New York steigen und ein bisschen Smog am Big Apple einatmen. Entsprechend entnervt steige ich aus dem Bus, denke mir, dass es mir total egal ist, dass das hier ein total historischer Ort sein soll, stolpere den anderen hinterher - und stehe plötzlich an dem schönsten Ort, den ich hier in Island bisher gesehen habe.
| Der Blick von oben - das Wasser ist so klar, dass man bis auf den Grund gucken kann. |
Mit Theresa und Kristian klettere ich auf den Felsen, bestaune das klare Wasser, sitze in der Sonne und frage mich, wie ich das alles verkraften soll.
Ich finde diese viele Natur ganz furchtbar, weil sie mich total überfordert. Genau danach habe ich gesucht, als ich herkam. Aber jetzt habe ich einen Naturschock.
Boah Janina, du Großstadtgöre du!
AntwortenLöschenDie Fotos sind einfach unglaublich und wenn du dann noch sagst, dass sie bei weitem nicht die Wirklichkeit widerspiegeln, ist das nicht mehr zu fassen! Dass es so etwas Schönes gibt... Palmen und Strand sind doch ausgelutscht. Ich will in den Norden, die Weite spüren und mir Polarluft um die Nase wehen lassen.
Wir können auch gerne tauschen: Du in Berlin, ich im Schoße Mutter Naturs. Na, na? ;)
im schoße von mutter natur? und wer geht dann für mich in die uni, wenn du die ganze zeit mit der nase in der polarluft hängst? die ich im übrigen selbst sehr angenehm finde, auch wenns manchmal doch sehr kalt ist. aber danke für die großstadtgöre, da fühl ich mich gleich besser du blödmann :S :P
AntwortenLöschenach so: und schade, dass du gestern nicht ausm flugzeug geklettert bist. hätte mích gefreut.